Das spirituelle Ego

Das spirituelle Ego

Wie der Name schon sagt, befällt das spirituelle Ego spirituelle Menschen, die meist davon ausgehen, dass sie entweder kein Ego mehr haben oder dieses zumindest im Griff haben. Ich möchte nur am Rande erwähnen, dass es den plötzlichen Ego-Verlust durchaus gibt; dies geschieht jedoch eher selten.

 

Tatsache ist, Ego ist Ego, und das spirituelle Ego ist vielleicht noch schwieriger zu handhaben als das "normale" Ego, da spirituelle Menschen sich oft rund um die Uhr mit sich selbst beschäftigen und oftmals ihre mentalen Fähigkeiten als Errungenschaften ansehen, die mit wahrer Spiritualität so wenig zu tun haben wie Sonne mit Winter. Natürlich ist es überwältigend festzustellen, dass man plötzlich Ereignisse vorhersagen kann, die dann auch eintreffen, dass die Hellsicht sich einstellt und man die Schmerzen der anderen verspüren kann. Aber das ist nicht Spiritualität, es sind lediglich die Zeichen ihres Vorhandenseins. Wie der Regentropfen ein Herannahmen der dicken Regenwolke anzeigt, aber dieser Regentropfen ist nicht die Wolke. So ist die Spiritualität der lebendige Ausdruck des Geistes. Zu Beginn ist es "nur" der erwachte Geist, aber immerhin, wir sind erwacht aus unserem Tiefschlaf des Nichtwissens, und das ist im wahrsten Sinn des Wortes wunderbar.

 

Das Ego, der Teil des Bewusstseins, das den unerwachten, den schlafenden Menschen, am Leben erhält durch die Vorstellung in Zeit und Raum sowie die Polaritäten gut - böse, hell - dunkel, wahr - falsch etc., dieses Ego ist überhaupt nicht begeistert von dem erwachenden Geist, denn es ahnt, dass sein Ende naht und es bald nicht mehr gebraucht werden wird. So hat es Angst und bäumt sich auf. Es will nicht sterben; es will alles, nur das nicht. Und so verhält es sich. Es macht permanent auf sich aufmerksam. Es zeigt seinem Menschen, wer es ist, dass dieser nicht mehr auf sein Ego verzichten darf, und es zeigt den Mitmenschen, wie wichtig es ist.

 

Der erwachte Geistmensch möchte immer mehr in dieses Gebiet der Spiritualität eindringen. Befasst er sich mit der Esoterik, bietet sich ihm ein wahrer Tummelplatz an Möglichkeiten, wie er seine Fähigkeiten ausprobieren und trainieren kann - verpackt in bunten Farben und lustigen Bildchen, die seinem kleinkindhaften Unterbewusstsein wunderbar gefallen. Das Ego, der Mitbewohner des Bewusstseins und der Vernunft, merkt, dass es hier punkten kann. Es animiert seinen Menschen dazu, sich mit der Spiritualität zu befassen. Es lobt ihn, wenn er sich in dem weiten Feld der Möglichkeiten langsam zurechtgefunden und seinen Weg gefunden hat.

 

In meinem Fall war es die Heilung, und so absolvierte ich eine Huna-Ausbildung. Nach eineinhalb Jahren war diese beendet, und ich fühlte mich bemächtigt, in "Wer-kennt-wen" mein Wissen anzubieten. Ich verbrachte viel Zeit damit, eine Huna-Gruppe aufzubauen, und mit den einzelnen Mitgliedern eingehend zu kommunizieren. Bald wuchs die Gruppe auf 400 Leute, und es wurde schwierig, die Schafe zu hüten. Ich musste Regeln aufstellen, ich musste jene, die ein noch größeres Ego hatten als ich, in ihre Schranken verweisen, und vor allem die ewigen Trittbrettfahrer, die sich auf Kosten anderer profilieren, machten mir das Leben schwer. Irgendwann hatte Gott ein Einsehen und schickte mir Eindringlinge, die sich so mies benahmen, dass ich die ganze Gruppe platt machte. Das war es dann mit WKW.

 

Ich ging einen Schritt weiter und bot selbst Huna-Ausbildungen an, die gern angenommen wurden. Ich hatte die Gabe, und ich habe sie immer noch, die schlummernden Fähigkeiten in den Menschen hervorzuholen. Aber wenn ich heute meine Texte lese, die ich damals schrieb, muss ich doch lachen. Mein Ego hatte mich fest im Griff und diktierte alles.

 

Aber wen Gott als Seinen Helfer auserkoren hat, den schickt Er auch zur Schule des Lebens und vor allem des Sterbens, und so war meine Lektion die Demut. Diese erlernte ich von 2011 - 2013 von der Pike auf, zwar auch mit Schülern, aber zwischendrin und vor allem zum Ende hin befand ich mich in dem Zustand der "Dunklen Nacht der Seele". Niemand war mehr da, der mich anhören wollte, geschweige denn helfen, denn niemand verstand mich, und ich selbst am allerwenigsten. Ich schaltete alle Internetseiten ab, Blog und Homepage waren verwaist, und Facebook & Co. sowieso nicht mehr akzeptabel.

 

Irgendwann war auch diese Phase vorbei, und ich lebte wieder auf. Durch die Astrologie lernte ich, es war der Übergang des Saturn über den Skorpion, und wer dieses Sternzeichen hat, weiß, wovon ich spreche. Aber auch andere waren davon betroffen, und jeder hat sein Päckchen zu tragen, je nachdem, welchen Weg er geht, und vor allem, von welchem hohen Berg sein Ego abstürzen muss.

 

2013 war mein Ego weg, verschwunden, einfach nicht mehr da. Und ich stand da und hatte keine Lust, irgend jemandem zu erzählen, dass ich Heilerin bin. Gott wird die Hilfesuchenden schon schicken, dachte ich in meinem Vorsehungsglauben, den ich mir angeeignet hatte. Diese Vorsehung ist eine Gnade, ohne Zweifel, aber in Sachen Marketing ist sie nicht kompetent. Da ich gelernt hatte, mit meinem Unterbewusstsein zu kommunizieren, dachte ich mir, es müsse doch möglich sein, auch mit dem Ego zu kommunizieren. Gesagt, getan, und siehe da, es kam wieder. Endlich konnte ich wieder auf meiner Homepage sagen, wer ich bin und was ich kann, und es ging wirtschaftlich wieder aufwärts.

 

Kaum war das Ego wieder erweckt, wurde es wieder frech. Ich ertappte mich dabei, dass ich Texte schrieb, die wieder strotzten von all diesen Ego-Füllwörtern "aber", "dennoch", "jedoch" usw. So befasste ich mich mit meinem Ego statt mit meinem Inneren Kind. Ich erinnerte mich an Arti Wu, einen amerikanisch-chinesischen Meditationslehrer, mit dem ich über das Internet zusammengearbeitet hatte, und der in seinen Meditationen den ständig plappernden Monkey-Mind, das Ego, freundlich aber bestimmt in seine Schranken verwies. "Jetzt meditiere ich, danach darfst Du wieder etwas sagen, aber jetzt bist du ruhig." Das funktioniert bei der Meditation, und es funktionierte ebenfalls in meinem Anliegen.

 

Wann immer es ging, zog ich mich zurück und ließ alles, was ich je gelernt und an Information gesammelt hatte, sich setzen. Nach und nach kam es als Weisheit wieder hoch, und ich konnte es wieder anbieten, dieses Mal jedoch ohne Ego und Stolz - "sieh mal, was ich weiß", sondern wissend, ich bin diesen Weg gegangen und habe vieles gelernt, was ich weitergeben kann. Wie früher in meinem weltlichen Leben habe ich auch jetzt ein gesundes Selbstwertgefühl entwickelt und erlaube mir, meine Wahrheit auszudrücken, das muss nicht die Wahrheit der anderen sein, aber wer sich Wissen aneignen möchte, dem habe ich etwas zu geben, und er kann es nehmen oder auch lassen.

 

Fazit: Das Ego ist immer da, und wir brauchen es zum Leben. So lange, bis unser Geist erwacht und das Licht Gottes in uns scheint. Dieses Licht bringt das Ego langsam zum erlöschen, und es darf auch langsam gehen. Aber nicht ganz, denn Licht hin oder her, es gibt Situationen im Leben, da müssen wir in der Lage sein zu sagen, wer wir sind und was wir können. Als ich mich in XING lichtvoll als Christliche Mystikerin angepriesen hatte, bekam ich als einzige Resonanz die Nachfrage, was denn eine Christliche Mystikerin sei? Auch das ist eine Lektion für die spirituellen Lichtarbeiter: Wir sind spirituell und verdienen unser Geld damit. Es gehört eine Menge geistige Reife dazu, dies miteinander zu verbinden, und wir wissen es erst dann, dass wir es geschafft haben, wenn es so weit ist und unsere Texte nicht eine einzige Rechtfertigung unseres Seins und Tuns darstellen.

 

So lange unsere Gesellschaft noch von Wettbewerb geprägt ist, und so lange wir wirtschaftlich an diesem Kuchen teilhaben wollen/müssen, so lange müssen wir neben unserem Licht auch noch unser Ego behalten und mit ihm uns den Menschen präsentieren, die das Licht noch nicht in reinster Form empfangen können. "Ich bin Monika Petry" hat eine ganz andere Bedeutung als "Ich bin das ICH BIN", aber gerade die letztere Variante zeigt uns ganz klar, wie es mit unserem Ego steht. "Ich bin das ICH BIN", heißt "ich bin Gott gleich", kann nur funktionieren, wenn wir durch das Tal der Tränen gegangen sind und die Demut mit Löffeln gefressen haben. Sonst verkommt dieser Satz zu dem großen Satz der Egomanie, den ich so oft bei meinen spirituellen Schülern gehört habe, die dummerweise diese Blockade nicht los wurden, weil sie sie nicht als Blockade anerkennen konnten, da sie sich für Gott persönlich hielten.

 

Ich wünsche Ihnen ein erfolgreiches Zusammenleben mit Ihrem Ego. Lieben Sie es, und es wird Ihnen dienen.